Lieferketten: Woher die Teile jedes Produkts kommen

Ob Waschmaschine, Smartphone oder Auto — jedes Produkt hat eine Lieferkette, die lange vor dem ersten Einschalten beginnt. Diese Seite zeigt, wo entlang dieser Kette CO₂ entsteht und Wasser verbraucht wird: einfach erklärt, mit Quelle an jeder Zahl.

Der Weg, den jedes Produkt nimmt

Jede Lieferkette folgt denselben vier Stationen — egal um welches Produkt es geht. Genau diese Stationen zeigen die Karten weiter unten.

  1. Rohstoffe gewinnen

    Metalle, Mineralien oder Pflanzen werden irgendwo auf der Welt gewonnen — oft in Regionen, in denen Wasser knapp ist. Bei einer Waschmaschine wären das z. B. Stahl und Kupfer, bei einer Batterie Lithium, beim Kaffee die Bohne.

  2. Verarbeiten

    Aus Rohstoffen werden Vorprodukte: Bleche, Chips, Zellen, Granulat. Das passiert meist in anderen Ländern als der Abbau — und kostet vor allem Energie.

  3. Zusammenbauen

    Im Werk entsteht das fertige Produkt. Wie viel CO₂ dabei anfällt, hängt stark am Strommix des Standorts — dasselbe Produkt kann je nach Werk sehr unterschiedlich ausfallen.

  4. Nutzen & entsorgen

    Auch der Betrieb (Strom, Kraftstoff, Wasser, Waschmittel) und die Entsorgung gehören zur Kette. Bei manchen Produkten ist diese Phase sogar der größte Posten.

So liest du die Karten

Diese vier Angaben trägt jede Karte — bei jeder Produktklasse gleich.

  • 🔴 / 🟢 — Ist Wasser vor Ort knapp?🔴 heißt: In dieser Region ist Wasser knapp — jeder Liter wiegt dort schwerer. 🟢 heißt: keine bekannte Knappheit — nicht „kein Verbrauch“.
  • Typischer Wert (min–max)Wir nennen nie eine Zahl ohne Spanne: erst der typische Wert, in Klammern die Bandbreite (min–max). Eine ehrliche Spanne sagt mehr als ein scheingenauer Punktwert.
  • A / B / C — Wie sicher ist die Zahl?Jede Zahl sagt, wie belastbar sie ist: A = Messung, B = Studie, C = grobe Schätzung.
  • Grau — Hier fehlt ein BelegGrau heißt: kein öffentlicher Beleg gefunden. Die Lücke bleibt sichtbar, statt sie mit einer erfundenen Zahl zu füllen.

Ein Beispiel: das E-Auto

Wie so eine Kette konkret aussieht, zeigen die ersten beiden veröffentlichten Profile — hier das E-Auto, von der Mine bis zur fertigen Batterie. Alle Werte je Fahrzeug über 200.000 km.

Rohstoff · Chile (Atacama) & Australien

Lithium

Lithium steckt in der Batterie. Ob es aus Salzseen oder aus Gestein gewonnen wird, entscheidet über den enormen Unterschied beim Wasser. Quelle: Marinova et al. 2025 (AWARE).

  • 🔴 Wasser vor Ort knapp
  • Wasser: ca. 80.000 L (8.000–310.000)
  • CO₂: ca. 350 kg (150–900) · Schätzung (C)

Rohstoff · Indonesien, Russland & DR Kongo

Nickel & Kobalt

Beide Metalle stecken in der Kathode der Batterie. Für den Wasserverbrauch haben wir keine belastbare Quelle gefunden — die Lücke bleibt sichtbar. Quelle (CO₂): ICCT 2021.

  • 🟢 kein Wasserstress-Befund
  • CO₂: ca. 1.100 kg (700–1.700) · Schätzung (C)
  • Wasser: kein Beleg gefunden (grau)

Verarbeitung · China

Mangan & Kathoden-Brennen

Das Kathodenmaterial wird bei hohen Temperaturen gebrannt — das kostet viel Energie und passiert fast ausschließlich in China. Quelle: GREET/Argonne 2021.

  • 🔴 Wasser teils knapp (je Provinz)
  • CO₂: ca. 850 kg (500–1.400)
  • Wasser: ca. 10.000 L (4.000–25.000) · Schätzung (C)

Rohstoff · China

Graphit (Anode)

Graphit bildet die zweite Seite der Batteriezelle. Künstlich hergestellter Graphit braucht viel Strom — die Bilanz hängt am Standort. Quelle: GREET-Literatur.

  • 🟢 unkritisch
  • CO₂: ca. 450 kg (200–900) · Schätzung (C)
  • Wasser: kein Beleg gefunden (grau)

Rohstoff · Chile & Peru

Kupfer & Elektronik

Rund 90 kg Kupfer stecken in einem E-Auto — viel davon aus trockenen Bergbauregionen. Halbleiter und Elektronik sind nur grob erfasst. Quelle: EU-Parlament-Studie 2023.

  • 🔴 Wasser knapp (trockene Bergbauregionen)
  • CO₂: ca. 700 kg (400–1.100)
  • Wasser: ca. 5.000 L (2.000–15.000) · Schätzung (C)

Herstellung · China, Südkorea, Polen & Ungarn

Zellfertigung & Pack-Montage

Aus den Rohstoffen wird die Batterie gebaut. Wie viel CO₂ dabei entsteht, hängt stark am Strommix des Werks — von 64 (Schweden) bis 109 (Polen) kg CO₂ je kWh Batterie. Quelle: T&E 2023.

  • 🟢 unkritisch
  • CO₂: ca. 2.100 kg (1.200–3.500) · Studie (B)
  • Wasser: ca. 5.000 L (3.000–10.000)

Das Gegenstück: der Verbrenner

Das Vergleichsprofil zum E-Auto — mit zwei Stationen, die oft übersehen werden. Alle Werte je Fahrzeug über 200.000 km.

Rohstoff · Südafrika

Katalysator (Edelmetalle)

Im Katalysator stecken nur wenige Gramm Platin, Palladium und Rhodium — aber jedes Gramm ist im Abbau extrem aufwendig: rund 28–38 t CO₂ und 244–306 m³ Wasser je kg Metall. Gerechnet mit typischer Beladung von 3–7 g je Pkw (Primärmetall; Recycling senkt die Last drastisch). Quelle: IPA LCA 3 (2022), ISO-14040/44-reviewt.

  • 🔴 Wasser knapp (Pt-/Pd-Bergbau, Südafrika)
  • CO₂: ca. 150 kg (100–300) · Studie (B)
  • Wasser: ca. 1.400 L (700–2.100) · Studie (B)

Nutzung · weltweit (Rohölherkunft variiert)

Der Weg des Benzins (Well-to-Tank)

Bevor Benzin im Tank ist, kostet es Förderung, Raffinerie und Transport — 2,5 bis 8 Liter Wasser je Liter Benzin. Der größte Posten des Verbrenners. Quelle: JEC WTT v5 (JRC 2020).

  • 🟢 keine einzelne Stressregion zuordenbar
  • CO₂: ca. 8.300 kg (5.200–15.300) · Studie (B)
  • Wasser: ca. 60.000 L (33.000–144.000)

Tiefer einsteigen

Das Prinzip ist für jede Produktklasse gleich — ob Waschmaschine, Wärmepumpe oder Kaffee. Im Detail aufgelöst sind bisher diese Profile, jeweils mit allen Quellen je Station:

Mit jeder neuen Produktklasse — auf der Arbeitsliste stehen u. a. Zement, Stahl, Wärmepumpe, Smartphone und Kaffee — wächst auch diese Seite. Alle Profile findest du unter Produkte; ein fehlendes kannst du anfragen.

Zentrale frei zugängliche Quellen dieser Seite: IPA LCA 3 (2022) für die Katalysator-Edelmetalle und JEC WTT v5 (JRC 2020) für die Kraftstoff-Vorkette. Wo eine Quelle nicht frei verlinkbar ist, bleibt sie als sichtbare Lücke gekennzeichnet, statt durch Ersatzlinks kaschiert. Wie die Werte zustande kommen, erklärt die Methodik.

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